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Mikroplastik - die ganze Wahrheit

Was genau hat Kunststoff in Kosmetika und Wasch-, Putz- und Reinigungsmitteln zu suchen? Wir ergründen das Thema Mikroplastik in Produkten, aktuelle Definitionen und mögliche Alternativen.

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Ein Thema, das in den letzten Jahren an extremer Popularität gewonnen hat, ist Mikroplastik. Der Begriff mag jedem in irgendeiner Art und Weise etwas sagen - schließlich hört man ihn oft genug und bei den verschiedensten Gelegenheiten. Mikroplastik in Kosmetik, Mikroplastik in der Nahrung, Mikroplastik sogar in unserem Trinkwasser. 


Doch was genau steckt eigentlich dahinter und wie kann man Mikroplastik in Produkten vermeiden? Und was passiert, wenn man es nicht macht; welche Auswirkungen hat Mikroplastik auf den Mensch und auf die Natur? 


Auf SELPAX.com vergleichen wir Produkte nicht nach den Werbeversprechen der Hersteller, sondern nach objektiven und relevanten Kriterien, die für die Zielgruppe wirklich von Bedeutung sind. Dazu gehört auch Mikroplastik. Also haben wir uns auf die Suche gemacht, um folgende Frage ein für alle Mal zu beantworten: 


Woran erkennt man Mikroplastik in Produkten? 


Da dieser Artikel ziemlich ins Detail geht und Du vielleicht keine Lust hast, knappe 2500 Wörter zu lesen, gibt es hier einmal das Wichtigste in Kürze

Definitionen

Hersteller, das Umweltbundesamt und Umweltschutzorganisationen haben unterschiedliche Definitionen von Mikroplastik. Der größte Unterschied liegt darin, ob sämtliche Kunststoffe (gleich welcher Konsistenz oder Funktion) gemeint sind oder nur feste Partikel einer bestimmten Größe.  

Selbstverpflichtung

Betrachtet man nur die festen Partikel, so ist eine wirksame Selbstverpflichtung der Hersteller zu erkennen sowie eine Reduzierung um 82 % (2015 verglichen mit 2012). 


Seitdem ist Zahnpasta beispielsweise komplett mikroplastikfrei. Doch reicht das wirklich aus? 

Lösliche Kunststoffe

Betrachtet man jedoch alle synthetischen Polymere, stellt man fest, dass diese in Kosmetik in der 25fachen Menge eingesetzt werden, verglichen mit festem Mikroplastik. 


Das ist nur einer der Gründe, weshalb die freiwillige Selbstverpflichtung noch nicht weit genug geht. 

Mit dem Inhaltsverzeichnis links kannst Du direkt zu den Fragen springen, die Dich besonders interessieren. Wenn Du jedoch das Thema Mikroplastik in Kosmetik und anderen Produkten wirklich verstehen willst, dann lies den ganzen Artikel. 

1. Der Unterschied zwischen Mikroplastik und synthetischen Polymeren

handcreme
Zunächst einmal stellt sich die Frage, was Mikroplastik denn überhaupt ist. Dazu gibt es verschiedene Definitionen. Die vom Umweltbundesamt (2) lautet beispielsweise: 

Umweltbundesamt:

"Als Mikroplastik werden Plastikstücke bezeichnet, welche kleiner als 5 mm sind."
Laut dieser Definition hat Mikroplastik also zwei Eigenschaften: Es ist fest, also hat eine bestimmten Zustand, und es hat eine bestimmte Größe. 


Nun weichen jedoch einige bedeutende Akteure erheblich von dieser Definition ab, beispielsweise der BUND: (1)  

Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V.:

„Aufgrund der breiten Größenspanne und der unterschiedlichen Formmassen der eingesetzten Kunststoffe in der Kosmetik- und Körperpflegeindustrie beinhaltet die Definition des BUND weder eine Untergrenze noch eine Formmassenangabe, sondern lediglich die Obergrenze von fünf Millimetern. Sie schließt alle synthetischen Polymere (Kunststoffe) ein.“ 
Auch Greenpeace schließt sich dieser Darstellung an und definiert Mikroplastik wie folgt: 

Greenpeace:

„Der Begriff Mikroplastik umfasst dabei nach Greenpeace-Verständnis sämtliche, vor allem aber langlebige, giftige und/oder bioakkumulierende Kunststoffe bzw. Synthetische Polymere - unabhängig von Polymersorte, Aggregatzustand bzw. Formmasse (fest, suspendiert, flüssig, gel- oder wachsartig), Größenbegrenzung, Löslichkeit oder auch Funktion im Produkt.“ 
Das Umweltbundesamt (und noch einige andere Institute, Ministerien, Ämter und Hersteller) definieren also kleine, feste Teilchen während die Umweltschutzorganisationen auch andere Kunststoffe ausdrücklich mit einschließen? Was ist da los? Dazu müssen wir wissen, was synthetische Polymere sind: 

Was sind synthetische Polymere?

Der Begriff „Synthetische Polymere“ ist ein weit gefasster Oberbegriff für Kunststoffe bzw. Kunststoffverbindungen. Synthetische, also künstlich hergestellte Polymere gibt es in einer schier unüberschaubar großen Vielzahl mit ebenso vielen Formen und Eigenschaften. 


Das sind also nicht nur feste Partikel, sondern auch wasserlösliche, gel- und wachsartige Kunststoffverbindungen. Die häufigsten Funktionen in Kosmetik sind dabei Filmbildung, Viskositätskontrolle und Emulsionsstabilisierung. Synthetische Polymere haben also viel mit der Konsistenz und Stabilität eines Produktes zu tun.  

Ein Produkt kann also mikroplastikfrei nach der Definition des Umweltbundesamtes sein, und trotzdem Kunststoffverbindungen unterschiedlichster Arten enthalten. 


Und genau das ist der Punkt, an dem sich die Hersteller und die Umweltorganisationen streiten: 

2. Kosmetik ohne Mikroplastik: Ist die Selbstverpflichtung der Hersteller gescheitert?

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Um den selbst auferlegten Verzicht auf Mikroplastik zu verstehen, mit dem viele Kosmetikhersteller werben, muss man die folgende Geschichte kennen: 


Im Jahre 2012/13 haben die North Sea Foundation und die Plastic Soup Foundation eine Initiative zum Thema Mikroplastik gestartet. Viele große Hersteller und Konzerne wurden angeschrieben und über die Problematik aufgeklärt. Daraufhin, und als Reaktion auf das wachsende Interesse der Öffentlichkeit haben viele von ihnen entschieden, freiwillig auf den Einsatz von Mikroplastik in ihren Produkten zu verzichten. (1)  


Darüber klären die Hersteller nicht nur mit kleinen Labels auf den Produkten selbst, sondern auch auf ihren Websites auf, beispielsweise Beiersdorf mit NIVEA (3) und Henkel (4). 


Nun haben einige Jahre später zwei Überprüfungen dieser freiwilligen Verpflichtung stattgefunden: 


Der europäische Industrieverband Cosmetics Europe führte 2016 eine Untersuchung durch und legte dabei die ursprüngliche Definition von Mikroplastik zugrunde:  

„The Cosmetics Europe membership survey found a rapid and substantial 82% reduction in the use of plastic microbeads for exfoliating and cleansing purposes in wash-off cosmetic and personal care products when comparing use in 2012* with use in 2015.“ 


 * Gouin et al, 2015, “Use of Micro-Plastic Beads in Cosmetic Products in Europe and Their Estimated Emission to the North Sea Environment” found that in 2012 4360 tons were used. 

Cosmetics Europe zufolge wurde die Verwendung von Mikroplastik (als bewusst hergestelltes Plastikteilchen) um 82% reduziert. (5,1) 


Die Umweltorganisation Greenpeace veröffentlichte 2016 ein internationales Firmen-Ranking (6) und 2017 eine detailliertere Bewertung deutscher Firmen mit Bezug auf die freiwillige Selbstverpflichtung. (7). 

Allerdings bewertet Greenpeace die Hersteller nicht nur insgesamt deutlich strenger als es der Industrieverband tut, sondern es wird auch die umfassende Definition von Mikroplastik inkl. synthetischer Polymere zugrunde gelegt. (1,6,7) 


Nach dieser umfassenden Definition haben sich die Hersteller im Jahre 2012 allerdings nicht verpflichtet, weshalb die Untersuchung gewissermaßen nur schlecht ausfallen konnte.  

Freiwillige Selbstverpflichtung: Mein Fazit

Zusammenfassend kann man sagen, dass sowohl der Kosmetikverband Cosmetics Europe, als auch die Umweltorganisation Greenpeace berechtigte Punkte ansprechen


Die grundsätzliche Bereitschaft der Hersteller, zugunsten der Umwelt etwas an ihren Rezepturen zu ändern, ist als positiv zu bewerten. Auch dass die freiwilligen Selbstverpflichtungen umgesetzt werden, wie die Cosmetics Europe Erhebung zeigt, ist ein Schritt in die richtige Richtung. 


Allerdings hat auch Greenpeace Recht, wenn sie darauf hinweisen, dass die freiwilligen Selbstverpflichtungen nicht weit genug gehen: Es sollten alle Produkte eines Herstellers mikroplastikfrei sein; zudem sollte diese Definition von Mikroplastik alle Polymersorten umfassen - unabhängig von Konsistenz, Funktion oder Löslichkeit. 


Damit kommen wir auch schon zur nächsten Frage:  

3. Warum sind Mikroplastik und synthetische Polymere gefährlich?

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Um das Risiko für die Umwelt, die Tiere und nicht zuletzt den Menschen zu verstehen, sollten wir uns zunächst die Mengen ansehen, um die es hier geht. Der reine Mengenunterschied zwischen Mikroplastik und synthetischen Polymeren wird in der oben stehenden Infografik veranschaulicht. 


Die Firma Beiersdorf relativiert den Einsatz von festem Mikroplastik in Kosmetik, indem sie anführt, dass diese Quelle für Mikroplastik erst auf Rang 17 im Vergleich liegt. (3,8) 


Sie sagen damit also aus, dass es 16 größere Quellen gibt, aus denen Mikroplastik in die Umwelt gelangt. Das ist prinzipiell auch gar nicht falsch: Reifenabrieb, Freisetzung bei der Abfallentsorgung, Fahrbahnabrieb sowie 13 weitere Quellen verursachen deutlich mehr Mikroplastikfreisetzung als Kosmetik. Außerdem sind 922 t im Vergleich zu 4360 t (im Jahre 2012, s.o.) bereits eine tolle Reduzierung! 

ABER:

Die synthetischen Polymere, die bislang in keiner freiwilligen Selbstverpflichtung auftauchen und u.a. von Greenpeace und dem BUND stark kritisiert werden, gelangen schätzungsweise in der 25-fachen Menge in unser Abwasser als feste Mikroplastikteilchen - und das nur im Hinblick auf Kosmetik! 
Bezogen auf Wasch-,Putz- und Reinigungsmittel ist das Verhältnis von Mikroplastik zu synthetischen Polymeren 1:421!  
Synthetische Polymere sind also definitiv kein Thema, das ignoriert oder kleingeredet werden sollte - allein das Mengenverhältnis gibt schon Grund zur Sorge. Doch was weiß man bislang über Mikroplastik und synthetische Polymere in der Umwelt? 

Das weiß man über Mikroplastik in der Umwelt:

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Während die Folgen der Umweltverschmutzung durch Plastik und insbesondere durch Mikroplastik bereits überall auf der Erde untersucht werden, ist über die Auswirkungen von wasserlöslichen Kunststoffen noch kaum etwas bekannt. 


Das Erschreckende: Obwohl der Mensch erst seit etwa 100 Jahren Kunststoffe kennt, ist es bereits auf dem ganzen Planeten zu finden. Es ist nicht nur in unserem Trinkwasser, in unserer Nahrung und in der Luft, die wir atmen. Es wurde bereits in neu entdeckten Tierarten gefunden (9) und im Eis der Arktis. 


Einem WWF Report zur Aufnahme von Mikroplastik (10) zufolge nimmt der Mensch je nach Region bis zu 5 g Plastik auf - pro Woche! 


Das entspricht in etwa dem Gewicht einer Kreditkarte, das wir jede Woche über unsere Nahrung und unsere Umwelt aufnehmen. Die genauen Folgen: Unbekannt

Und das weiß man über synthetische Polymere:

In Deutschland spülen wir jährlich geschätzte 46.900 t (s.o.) an synthetischen Polymeren ins Abwasser. Das wiederum wird in Kläranlagen geleitet und dort mithilfe von Klärschlamm gereinigt. 


Wie viel dieser löslichen Polymere vom Klärschlamm zurückgehalten werden können, ist noch nicht abschließend geklärt. Das, was nicht im Klärschlamm verbleibt, wird mit dem gereinigten Wasser in die umliegenden Gewässer geleitet. Klärschlamm wird je nach Anlage entweder deponiert, verbrannt oder als Dünger auf unsere Felder ausgebracht. 

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Und nun kommt der Punkt, an dem die verlässliche Datenlage aufhört. Die Verwendung dieser Stoffe allerdings nicht. Und genau das macht auch die Verwendung synthetischer Polymere gefährlich:  
Denn einmal in die Umwelt eingebracht, ist es unmöglich, die Kunststoffe wieder zu entfernen. Das gilt für Mikroplastik, aber für lösliche Kunststoffe noch viel mehr. 


In Anbetracht der schieren Mengen, die jährlich über unsere Äcker und über unsere Gewässer in die Umwelt eingetragen werden, ist eine negative Auswirkung auf Tiere, Pflanzen und uns Menschen zu erwarten. (1,10,11) 

Wie genau sich diese Auswirkungen gestalten, welche Polymere besonders gefährlich sind und ab welcher Menge welche Schäden auftreten, lässt sich jedoch nicht vorhersagen - nur rückwirkend feststellen. Doch dann ist es bereits zu spät. 


Daher plädieren nicht nur die Umweltorganisationen, sondern auch Wissenschaftler dafür, die Verwendung von synthetischen Polymeren in Kosmetik, sowie Wasch-, Pflege- und Reinigungsprodukten gesetzlich zu reglementieren


Das nennt man Vorsorgeprinzip und ist laut eigener Aussage eine „Leitlinie der Umweltpolitik auf der deutschen, der EU- und der internationalen Ebene“ (12) 


Da fragt man sich doch berechtigterweise: 

4. Warum werden Mikroplastik und synthetische Polymere nicht einfach verboten?

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Wenn Chemie auf Gesetze trifft, wird es richtig interessant - und leider überhaupt nicht einfach. Um den Sachverhalt in wenigen Sätzen zu beschreiben: 
Einem Verbot auf nationaler Ebene stehen einige Hindernisse entgegen: Zum Einen muss vor dem Erlass überprüft werden, ob sich auf EU-Ebene bereits mit dem Thema Mikroplastik auseinander gesetzt worden ist oder ob sogar ein Beschluss zu dem Thema vorliegt. 

Zum Anderen muss ein nationaler Erlass mit einigen anderen Verordnungen und Gesetzen auf EU-Ebene vereinbar sein; und nicht zuletzt muss auch das Wettbewerbs- und Zollrecht betrachtet werden. (1) 

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Wer jetzt denkt: Dann sollte man es doch direkt in der ganzen EU verbieten, dem kann ich nur sagen: Ja! Das wäre definitiv einfacher, als wenn jeder Staat für sich ein Gesetz verabschiedet. 


Allerdings muss ein Verbot auf EU-Ebene in vielen Punkten gerechtfertigt werden und dazu gehört der Nachweis von ausreichendem Gefahrenpotential für Mensch und Umwelt. (1) 


Dass es nicht dem Vorsorgeprinzip entspricht, einen Nachweis zu verlangen (den es ja nach aktuellen wissenschaftlichen Daten noch nicht gibt), kritisieren mehrere Umweltverbände meiner Meinung nach zu Recht.  

5. Warum werden nicht einfach ungefährlichere Ersatzstoffe verwendet?

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Tatsächlich bestanden Kosmetikprodukte bis in die 1950er Jahre aus natürlichen Inhaltsstoffen. Erst mit dem großen Erfolg des Kunststoffs wurden auch künstliche Zutaten für Kosmetik, sowie Wasch- und Reinigungsmittel entwickelt. 


Damals hielt man dies für einen großen Fortschritt, der die Nachteile natürlicher Materialien ausmerzen sollte.

Mögliche Nachteile natürlicher Inhaltsstoffe:

  • variierende Reinheit
  • variierende Beschaffenheit
  • hoher Preis
  • mögliche mikrobielle Verunreinigungen
Außerdem kann ein synthetisches Polymer mehrere Funktionen übernehmen, sodass man die Produkte noch günstiger herstellen konnte - bei besserer Qualität. 


Wenn wir damals ein Chemielaborant oder ein Kosmetikhersteller gewesen wären, dann hätten wir es vermutlich auch für eine tolle Idee gehalten. Doch wie sieht es heute aus - können wir „back to the roots“? 


Wie die freiwillige Selbstverpflichtung der Hersteller zeigt, lassen sich feste Partikel offenbar leicht ersetzen. Mineralische oder organische Materialien wie Samen, Nussschalen, Kreide oder Kochsalz sind mögliche Ersatzstoffe, die heute zunehmend Verwendung finden. (1) 

Doch wie sieht es mit den löslichen Polymeren aus?

Der Ersatz von löslichen Kunststoffen durch ungefährlichere Inhaltsstoffe scheitert im Wesentlichen an zwei Punkten: Zum Einen gibt es keine Definition von „ungefährlich“ oder „gewässerfreundlich“ - nur weil ein Stoff nach CLP-Verordnung nicht als gefährlich eingestuft wird, belegt das nicht seine Verträglichkeit


Zum Anderen fehlen auch Forschungen über die Auswirkungen möglicher Ersatzstoffe.  

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Es gibt einige natürlich vorkommende Polymere. Harze, natürliches Gummi oder Proteine werden heute bereits in vielen Produkten eingesetzt. Teilweise werden diese chemisch verändert, um andere Eigenschaften zu erzeugen - hier fehlt es jedoch an einer Regelung, ab wann ein natürliches Polymer als synthetisch gilt


Es kommt noch erschwerend hinzu, dass natürliche Polymere ebenso gefährlich für Wasserorganismen sein können wie synthetische Kunststoffverbindungen. Es ist aufgrund des ökologischen Ursprungs zu erwarten, dass eine schnellere und bessere Abbaubarkeit vorliegt - untersucht und belegt worden ist das jedoch noch nicht. (1) 

Als weitere Option zu synthetischen Polymeren wären noch Polymere mit tierischem Ursprung zu nennen. Dazu gehören Kollagen, Elastin oder Milch- bzw. Seidenproteine. Für Hersteller sind diese tierischen Polymere jedoch keine echte Option: Zu kritisch sind die Verbraucher mittlerweile geworden und zu hoch ist der Anteil, der auf vegane Produkte Wert legt. (1) 

6. Mein Fazit: Mikroplastikfrei - nicht so einfach?

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Die freiwillige Selbstverpflichtung zum Verzicht auf Mikroplastik, sowie die Stellungnahmen der Hersteller auf deren Websites zeigen, dass die Industrie das Thema Mikroplastik durchaus auf der Agenda hat. Auch synthetische Polymere sind dabei ein Punkt, den die Konzerne laut eigener Aussage in der Zukunft angehen wollen. 


Allerdings haben auch die Umweltorganisationen Recht, wenn sie sagen dass die Selbstverpflichtungen nicht weit genug gehen und dass synthetische Polymere gesetzlich auf EU-Ebene reguliert werden müssen. 


Gemäß dem Vorsorgeprinzip, dem sich die Umweltpolitik auf deutscher, europäischer und internationaler Ebene verschrieben hat, ist eine Regulierung sämtlicher Kunststoffe in Kosmetik und Wasch-, Pflege- und Reinigungsprodukten nicht nur angemessen, sondern überfällig.  

Dass es auch ohne den Einsatz von synthetischen Polymeren geht, zeigen die Hersteller von Naturkosmetik. Auch im Bereich der Wasch- und Putzmittel erobern zunehmend nachhaltige Marken den Platz in den Regalen.  
Vergleicht man die Zutatenlisten konventioneller und ökologischer Produkte, beispielsweise von Vollwaschmittel oder Handspülmittel  fällt auf, dass wirkungsvolle Rezepturen ohne kritische Inhaltsstoffe durchaus möglich sind. Leider fällt auch auf, dass einige Hersteller ihre Produkte gern nachhaltiger oder verträglicher erscheinen lassen, als diese wirklich sind


Das bedeutet: Solange das Thema Mikroplastik inkl. synthetischer Polymere nicht auf EU-Ebene gesetzlich reguliert wird, bleibt es beim Verbraucher, genau hinzuschauen.  

Wir helfen dabei, indem wir enthaltenes Mikroplastik sowie synthetische Polymere in unseren Vergleichstabellen deklarieren.

Dabei haben wir uns für den Begriff Mikroplastik in der umfassenden Definition entschieden. 


Grund dafür ist das Verständnis, das viele Verbraucher von Mikroplastik haben und die Erwartung, die hinter der Aussage „Mikroplastikfrei“ steckt

Wenn Dir das Thema Mikroplastik in Deinen Produkten wichtig ist - oder eher KEIN Mikroplastik in Deinen Produkten - dann findest Du in unseren Vergleichen passende Produkte, die ohne synthetische Polymere auskommen.


Eine weitere tolle Möglichkeit, auf Kunststoffe aller Art zu verzichten, ist das Selbermachen. Beispielsweise kannst Du Geschirrspülpulver aus 3 Zutaten selber machen


Für Fragen, Anmerkungen oder Verbesserungsvorschläge rund ums Thema Mikroplastik schreib uns gerne an info@selpax.com 

Quellenverzeichnis:

  • (1) https://www.umsicht.fraunhofer.de/content/dam/umsicht/de/dokumente/publikationen/2018/umsicht-studie-mikroplastik-in-kosmetik.pdf
  • (2) https://www.umweltbundesamt.de/service/uba-fragen/was-ist-mikroplastik
  • (3) https://www.nivea.de/marke-unternehmen/unsere-produkte-und-inhaltsstoffe#MIKROPLASTIK
  • (4) https://www.henkel.de/nachhaltigkeit/positionen/mikroplastik
  • (5) https://cosmeticseurope.eu/how-we-take-action/leading-voluntary-actions/all-about-plastic-microbeads/
  • (6) https://www.greenpeace.de/sites/www.greenpeace.de/files/publications/20160720_greenpeace_microbeads-ranking_tabelle.pdf
  • (7) https://www.greenpeace.de/sites/www.greenpeace.de/files/publications/20170412-greenpeace-plastik-kosmetik-firmenabfrage.pdf
  • (8) https://www.umsicht.fraunhofer.de/content/dam/umsicht/de/dokumente/publikationen/2018/kunststoffe-id-umwelt-konsortialstudie-mikroplastik.pdf
  • (9) https://www.wwf.de/plasticus/sharing/
  • (10) https://www.wwf.de/fileadmin/fm-wwf/Publikationen-PDF/WWF-Report-Aufnahme_von_Mikroplastik_aus_der_Umwelt_beim_Menschen.pdf
  • (11) https://www.wwf.de/fileadmin/fm-wwf/Publikationen-PDF/WWF-Faktenblatt-Mikroplastik.pdf
  • (12) https://www.umweltbundesamt.de/themen/nachhaltigkeit-strategien-internationales/umweltrecht/umweltverfassungsrecht/vorsorgeprinzip