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Vegane Wachstücher selber machen: Top oder Flop?

Wir stellen vegane Wachstücher selber her und testen, ob es wirklich funktioniert. Hier findest Du unsere genaue Anleitung und natürlich das Ergebnis:

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1. Das brauchst Du für selbstgemachte Wachstücher

Materialien:

  • Bienenwachs oder Carnaubawachs
  • Baumwoll- oder Leinenstoff
  • Kokosöl
  • Sauberen Pinsel oder Backpinsel
  • Sauberes Backblech und Backpapier
  • Wasserbad im Topf
  • Evtl. eine Zickzack-Schere

Carnaubawachs vs. Bienenwachs

Da Bienenwachs ein tierisches Produkt ist, kommt es nicht für jeden infrage. Als Alternative wird oft Carnaubawachs genannt, welches in Konsistenz und Schmelzverhalten dem Bienenwachs am nächsten kommt.


Wir haben unsere Wachstücher mit Carnaubawachs und Kokosöl hergestellt. Dabei wollten wir herausfinden, ob das Bienenwachs wirklich so einfach ersetzt werden kann und ob die veganen Wachstücher in Funktionalität und Handhabung mithalten können.


Unser Fazit: Bei Carnauba Wachstüchern gibt es einige Dinge zu beachten, um ein gutes Ergebnis zu erzielen! Doch lies selbst:

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2. Anleitung: So stellst Du vegane Wachstücher her

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Wie viel Wachs und Kokosöl sollte ich nehmen?

Da Carnaubawachs einen ziemlich hohen Schmelzpunkt hat, braucht es etwas Kokosöl, um die Tücher geschmeidiger zu machen. Du kannst Dich an folgenden Werten orientieren:


1. Pro Quadratzentimeter Stoff werden ca. 0,2g Carnaubawachs benötigt. 

2. Auf 4 Teile Carnaubawachs kommt ein Teil Kokosöl. 


Hast Du beispielsweise ein Tuch in der Größe 45 x 45 cm (2025 qcm), brauchst du ca. 40 g Carnaubawachs und 10 g Kokosöl. Runde Deine berechneten Werte auf, da einiges in der Schüssel und im Pinsel hängen bleibt. 

Schritt 1: Die Vorbereitung

Bevor Du loslegst, solltest Du einige Vorbereitungen treffen, damit während des Herstellungsprozesses nichts schief laufen kann: 


1. Lege Dir alle benötigten Sachen bereit. 


2. Schneide den Stoff grob in die gewünschte Form und Größe. Die genauen Kanten lassen sich besser im gewachsten Zustand schneiden und fransen dann nicht aus.


3. Behandle den Stoff bei Bedarf mit einer Fusselrolle, um lose Fasern zu entfernen. 

Schritt 2: Jetzt wird es heiß!

1. Bau Dir in einem Topf ein Wasserbad und stelle die Herdplatte an. Gib das Carnauba- oder Bienenwachs ins Wasserbad und lasse es schmelzen. Carnaubawachs schmilzt bei ca. 82°C.


2. Breite sauberes Backpapier auf dem Blech aus und platziere darauf Deine Stoffstücke. Heize nun den Ofen auf ca. 80°C vor und leg das Blech zum Aufwärmen hinein. 


3. Wenn das Wachs zu schmelzen beginnt, gib das Kokosöl hinzu und verrühre alles zu einer gleichmäßigen Masse.

wachstuch-herstellung

Schritt 3: Die Herstellung

Um die Wachsmischung auf Deinen vorbereiteten Tüchern zu verteilen, nimmst Du das heiße Blech aus dem Ofen und stellst es neben Dein Wasserbad. 


Die Wachsmischung lässt Du am besten im Topf, um schnelles Erkalten zu vermeiden. Verteile das flüssige Wachs möglichst gleichmäßig auf dem Stoff. Das sieht zunächst ziemlich unsexy aus, wie das Foto zeigt, aber keine Sorge: 


Sobald Du die Tücher vollständig mit dem Wachs bestrichen hast, legst Du das Blech wieder für einige Minuten in den Ofen. Nun zieht das Wachs im besten Fall gleichmäßig und vollständig in die Tücher ein und es entsteht eine schöne, glatte Oberfläche. 

3. Ergebnis: So sehen unsere DIY Wachstücher aus

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Ich habe zwei verschiedene Mischungsverhältnisse ausprobiert und dabei einiges gelernt: Das erste Mal habe ich einen Esslöffel Kokosöl auf 20 g Carnaubawachs genommen, das zweite Mal einen Teelöffel auf knappe 40 g. Auf den Fotos ist die erste Variante zu sehen, da sie deutlich glatter und schöner geworden ist.


Ansonsten waren die Herstellungsverfahren genau gleich: Da ich kein Bügeleisen besitze, musste der Backofen herhalten - an sich ist die Backofenmethode eine saubere und einfache Möglichkeit. Allerdings ist das zweite Tuch (mit wenig Kokosöl) eher ungleichmäßig geworden. Es ist schwer zu sagen, ob das mit einem Bügeleisen nicht passiert wäre oder ob das Geheimnis doch in der Wachsmischung liegt. 

Carnaubawachstuch vs. Bienenwachstuch: Mein Fazit

Das vegane Wachstuch mit Carnaubawachs kann nicht zu 100% mit einem Bienenwachstuch mithalten. 


Da das Carnaubawachs einen höheren Schmelzpunkt hat, ist es hitzebeständiger und härter. Das bedeutet, die Haftung und Biegbarkeit des Carnaubawachstuches ist deutlich geringer ausgeprägt im Vergleich zum Bienenwachstuch. 


Die häufige Aussage, dass der Austausch von Bienenwachs und Carnaubawachs ohne Weiteres möglich wäre, kann ich also nicht teilen: Die richtige Menge und Mischung des Carnaubawachses entscheidet maßgeblich über die Alltagstauglichkeit der Wachstücher! 


Wenn Du auf Nummer Sicher gehen möchtest, schau Dir unseren Bienenwachstuch Vergleich an - dort zeige ich Dir, worauf Du beim Wachstuch kaufen achten musst, um gute Qualität von günstiger Ware zu unterscheiden.

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4. Meine Tipps zum Wachstuch herstellen:

Zurechtschneiden des Stoffes

Der ultimative Tipp für schöne Kanten lautet: Schneide die finale Form erst nach der Wachsbehandlung und am besten mit einer Zickzack-Schere!


Beim Bestreichen mit dem flüssigen Wachs wirst Du merken, dass das gar nicht so leicht ist. Vor allem die Kanten sind schwierig, da Du kein Wachs verschwenden willst. Indem Du die Form zunächst nur grob ausschneidest, kannst Du bei den Kanten ruhig "unsauber" arbeiten. Anschließend schneidest Du das gewachste Tuch akkurat zurecht. Im gewachsten Zustand franst es auch nicht mehr aus. 

Die richtige Menge Wachsmischung

Aufwändig und nervig wird das Wachstuch herstellen dann, wenn Du mittendrin merkst, dass Du zu wenig bzw. zu viel Wachs benutzt hast. 


Daher lohnt es sich, die Stoffstücke vorher auszumessen und die benötigte Menge Wachs und Öl grob auszurechnen. Runde im Zweifel lieber etwas auf, da noch Wachs im Pinsel und im Wasserbad hängen bleibt. 


Außerdem ist zu viel Wachs leichter im Nachgang zu korrigieren als zu wenig Wachs. Darin habe ich natürlich auch gleich Erfahrungen gesammelt:

Was tun bei zu viel Wachs?

Dass Du zu viel Wachs benutzt hast, erkennst Du an zwei Punkten: Zum Einen fühlen die Tücher sich klebrig an und hinterlassen ein merkwürdiges Hautgefühl. Zum Anderen bröckelt das Wachs an den Knickstellen leicht ab bzw. hinterlässt das Tuch Wachsspuren an Schüsseln und Tellern. 


Glücklicherweise lässt sich das überschüssige Wachs einfach entfernen: Heize den Backofen wieder auf ca. 90°C vor und lege das Tuch auf ein sauberes Blech mit Backpapier. Sobald sich das Wachs komplett verflüssigt hat, entnimmst Du das Blech samt Tuch. 


Nun bedeckst Du das Wachstuch mit frischem Küchenpapier und einem zweiten Bogen Backpapier. Mit einem Nudelholz kannst Du nun das überschüssige Wachs ins Küchenpapier drücken - fertig!

Was tun bei zu wenig Wachs?

Vor allem, wenn Dein Wachstuch so fleckig und ungleichmäßig geworden ist wie bei mir, kommt schnell der Verdacht auf: Hast Du vielleicht einfach zu wenig Wachs verwendet


Das kannst Du testen, indem Du das erkaltete Wachstuch unter den Wasserhahn hältst. Saugt der Stoff irgendwo noch Wasser auf, musst Du da noch nacharbeiten. Das heißt, Du musst nochmal eine Wachsmischung aufsetzen und das ganze Prozedere wiederholen. Das ist aufwendig, aber nur so stellst Du sicher, dass Dein Wachstuch nicht zu schimmeln beginnt!


Nur wenn wirklich jeder Zentimeter mit Wachs gesättigt ist, machst Du Dein Tuch sicher für den Umgang mit Lebensmitteln.